Die Drosselung der russischen Erdgaslieferung an die Ukraine führte zu einer Erdgaskrise und zeigte sowohl den Ländern vor Ort, als auch Europa die strategische Notwendigkeit der Energieressourcen. Die Krise wurde zwar in kurzer Zeit behoben, aber der Gedanke zu was Russland, das den Ergashahn in der Hand hält, fähig ist und was es verursachen kann, wurde immer gröβer. Der durch Russland angezettelte Ergas-Streit und die permanent ansteigenden Erdölpreise führten dazu, dass man sich an die Erzeugung von Atomenergie wendete. Sogar Deutschland, das sich vorsichtig dem Thema Nuklearenergie annäherte, brachte nach dem Energiekonflikt, den Bau von Atomreaktoren an die Tagesordnung. Auch die Türkei, die jahrelang den hohen Erdöl- und Ergaspreisen standhielt, musste durch den jüngst aufgrund Russlands zustande gekommenen Ergaskonflikt mitleiden.
Die Türkei versucht in letzter Zeit ihre Energieabhängigkeit von auβen zu beheben und sucht nach einer möglichst schnellen Lösung für eine Vervielfältigung ihrer Energieversorgung. Experten zufolge wird das Defizit des Energiebedarfs der Türkei sich ab 2015 auf 5 Tausend Megawatt belaufen. 2030 wird sich ihr Energiebedarf sogar um 160 % erhöhen. Die starke Abhängigkeit in Bezug auf die Erdöl- und Ergaslieferung wird 80 % steigen. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums, der wirtschaftlichen Entwicklung und des hohen Lebensstandards, steigt der Energiebedarf der Türkei immer weiter an. Deshalb muss die Türkei die Warnungen der Experten, „die Türkei könnte sich 2009 -also vor 2015- in einem Energieengpass befinden“ ernst nehmen. Ankara ist sich der ernsten Lage seit langem Bewusst und sucht Lösungswege für ihre Erdöl- und Ergasabhängigkeit. Die primären Probleme mit denen die Türkei konfrontiert wird sind neben der starken Abhängigkeit der Erdgaslieferung aus Russland (65 %), die Benachteiligung der Türkei bei den Ergasabkommen und der nicht rechtzeitige Ausbau von Ergasdepotanlagen.
Die Türkei ist mit der Gefahr der willkürlichen Haltung Russlands, der Ukraine und dem Iran konfrontiert. Im Bericht der Kammer der Maschinenbauingenieure der Union der Türkischen Ingenieur- und Architektenkammer (TMMOB) über „die Bewertung der Erdgasbeschaffung und die Verbraucherpolitik der Türkei“ im März 2006 wurde erwähnt, dass 2005 57,4 % des Erdgases für die Energieerzeugung verbraucht und 45 % dieser Energie in Kraftwerken benutzt wird, die mit Ergas laufen. Dem Bericht der TMMOB zufolge ist nirgendwo in der Welt, auch nicht in den Ländern in denen Ergas gefördert wird, der Ergasverbrauch für die Energieversorgung so hoch wie in der Türkei.
In dem Bericht wird auβerdem betont, dass die Türkei auf der internationalen Plattform ihre Trumpfkarte ausspielt und sich damit tröstet, „in einem globalen Energiekonflikt, in dem ein anderer den Hahn auf- und abdreht, sie den Energiekorridor darstellt.“ Die Regierung, die sich mit dem Thema ausgiebig beschäftigt, hat sich in Bezug auf die Lösung des Energieproblems geäuβert: „Die Türkei legt bezüglich des Energieproblems groβen Wert auf die Atomenergie. Bei den Energiekomponenten soll der Anteil der Atomenergie um 5-6 % erhöht werden. In diesem Rahmen wurde der Entschluss gefasst bis 2020 den Bau von drei Kernkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 5.000 Megawatt zu verwirklichen.“ Tatsächlich haben lange Diskussionen in diesem Bezug gezeigt, dass die “Atomkraftwerke” fast die einzige Alternative für einen Ausweg aus dem Energie-Engpass der Türkei bilden.
Eigentlich misst die Türkei dem gemeinsamen Energieprojekt mit Aserbaidschan und Georgien sowie weiträumigen Pipelineentwürfen für Erdöl und –gas, wie die Baku-Tiflis-Ceyhan sowie der Baku-Tiflis-Erzurum, die das Bild der Region verändern werden, große Bedeutung bei. Jedoch weisen Experten auch auf die Notwendigkeit der Erforschung von anderen Energieressourcen als Alternative für Erdgas und –öl hin. Neben dem Nachteil, das mit der Erdgasabhängigkeit zum Ausland einhergeht, ist –angesichts des teuren Stroms in der Industrie- die Produktion von günstiger Energie für den Industriebedarf von besonderer Bedeutung.
Somit beträgt die Gesamtkapazität der (seit Januar) weltweit in 31 Ländern handelüblich betriebenen 443 Reaktoren immer noch 370 GW. Diese Atomkraft deckt nur 16% des globalen Strombedarfs. So werden weltweit in insgesamt 56 Ländern 284 Forschungskraftwerke betrieben (Siehe Web-Seite der TAEK – Nationale Atomenergieagentur). Auch in den meisten Ländern im nahen Umfeld der Türkei sind Atomkraftwerke weiterhin aktiv. Sogar das Kernkraftwerk Metsamor in Armenien versucht, mit seiner veraltet russischen Technologie, der die große Tschernobyl-Katastrophe zu „verdanken“ ist, den Betrieb aufrechterhalten. Genau das ist, worüber man sich Gedanken machen sollte.
Auch die Türkei sollte die Nukleartechnologie anwenden, mit der viele Länder ihren Energiebedarf decken. Selbstverständlich ist hier nicht von einer Technologie die Rede, die von Personen mit Tschernobyl Erfahrung skeptisch betrachtet wird und ähnlich wie das Atomkraftwerk Metsamor, das nur 16 km von Türkei entfernt liegt, veraltet, unsicher und unzuverlässig ist. Die Türkei hält sich die Situation des Atomkraftwerks Metsamor, das gemäß den Vorgaben der Internationalen Atomenergiebehörde im Hinblick auf die Sicherheit unter allen Atomkraftwerken die letzte Reihe einnimmt, vor Augen. Neben dem vielen Geld, das für die Erneuerung der veralteten Technologie und für eine verbesserte Zuverlässigkeit ausgegeben wurde, bildet dieses Kraftwerk, das sich auf einer Erdspalte befindet und wie an verschiedenen Gelegenheiten durch die Türkei zum Ausdruck gebracht, eine Katastrophe für die Umwelt.
So zieht es das Wasser aus den anliegenden Flüssen von Arpachay und Aras für Kühlungszwecke und kanalisier ihre Abwässer wieder in diese Flüsse. Daneben sollte im Bezug auf die Atomkraftwerke auch die Entsorgung von Atommüll beachtet werden. Als ein Land, das sich der Bedeutung dieser Sache bewusst ist und von den Erfahrungen anderer Länder eine Lehre zu ziehen weiß, entscheidet sich die Türkei für die Nutzung der neuesten Technologie und intensiviert ihre diesbezüglichen Forschungstätigkeiten.
Jedoch steht die Türkei beim Aufbau eines Atomkraftwerks vorerst folgendem Problem gegenüber: Mit dem weltweit vermehrten Interesse für Atomwerke ist die Kapazität der Unternehmen, die Atomkraftwerke aufbauen, überfordert. Das bedeutet; auch wenn die Türkei heute ein Abkommen unterzeichnet, wird dieses Kraftwerk erst in 9-10 Jahren in Betrieb gehen können. Ist doch zu hoffen, dass die Türkei die „Energie Frage“, die weltweit die wichtigste Frage der nächsten 10-20 Jahre bilden wird, mit der effektivsten und vernünftigsten Lösung der „Atomkraftwerke“ nicht länger hinauszögert.
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Onaylayan: Selenga ~ Arl 27, 2006 ( Bu Haber: 133 kez Okundu )