Amoklauf an einer Schule in Winnenden: 17-Jähriger tötet 15 Menschen. Anschließend nimmt er sich das Leben.
Bei dem Amoklauf eines 17-Jährigen in Baden-Württemberg sind insgesamt 16 Menschen getötet worden, darunter der mutmaßliche Täter selbst. In einer Realschule erschoss der Täter zunächst drei Lehrerinnen und neun Schüler aus verschiedenen Klassen, wie Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) am Mittwoch in Winnenden nahe Stuttgart mitteilte. Auf der Flucht tötete der frühere Realschüler dann drei Passanten.
Das Grauen in Winnenden beginnt kurz vor 09.30 Uhr morgens. Um diese Zeit dringt der 17-jährige Tim K., ein ehemaliger Schüler der Albertville-Realschule, in das Gebäude seiner alten Schule ein. Der Jugendliche in Militärkleidung stürmt in zwei Klassenräume und beginnt, mit einer großkalibrigen Waffe wild und wahllos um sich zu schießen. Augenzeugen am Tatort berichten später von Schüssen und Schreien, Schüler springen aus dem Fenster und rennen um ihr Leben.
Danach flüchtet K. und hinterlässt neun tote Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren, drei tote Lehrerinnen sowie zahlreiche Verletzte in der Schule, aus der um 09.33 Uhr ein Notruf abgesetzt wird. Der Amokläufer flüchtet den Angaben zufolge zu Fuß in die Innenstadt. In der Nähe des Psychiatrischen Landeskrankenhauses erschießt er kurz nach dem Massaker in der Schule einen Passanten, einen anderen Fußgänger verletzt er mit Schüssen.
Um 09.40 Uhr treffen in der Albertville-Realschule zwei Interventionsteams der Polizei ein. Das Schulzentrum, das insgesamt 1.700 Schüler besuchen, wird geräumt und weiträumig abgesperrt, die Schüler werden medizinisch und psychologisch betreut. Alle weiteren Schulen des Ortes werden zunächst unter Polizeischutz gestellt.
Elternhaus gestürmt
Gegen 10.00 Uhr stürmen Spezialeinheiten der Polizei das Elternhaus von Tim K., das sich zwölf Kilometer von der Schule im Stadteil Weiler zum Stein in Leutenbach im Rems-Murr-Kreis befindet. Was Tim K. in der Zwischenzeit tut, bleibt zunächst unklar. Nach 12.00 Uhr zwingt er einen Autofahrer, ihn in Richtung Wendlingen im Landkreis Esslingen zu fahren. Unterwegs lässt er den Fahrer aber aussteigen und fährt – von der Polizei verfolgt - selbst weiter zum 40 Kilometer von Winnenden entfernten Wendlingen.
Gegen 12.30 Uhr hält Tim K. an einer Bundesstraße nahe einer Autobahnauffahrt an und läuft zu einem Autohaus. Dort liefert sich der Amokläufer einen Schusswechsel mit der Polizei. Dabei erschießt er zwei Passanten und verletzt zwei Polizeibeamte schwer. Beim Schusswechseln mit der Polizei trifft offenbar eine Kugel das Bein von Tim K - daraufhin bringt er sich mit einem Kopfschuss selbst um.
Tatwaffe aus dem Elternhaus
Der Amokläufer hat seine Tatwaffe offenbar aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet. Das teilte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) auf einer Pressekonferenz in Waiblingen mit. Der Vater sei als Mitglied eines Schützenvereins im legalen Besitz von 15 Schusswaffen gewesen. 14 davon seien in einem Tresor eingesperrt gewesen, die 15. Waffe habe sich im Schlafzimmer befunden.
Die Polizei hatte nach dem Amoklauf am Morgen mit einem Großaufgebot nach dem Ex-Schüler der Albertville-Realschule gefahndet. Die Stadt wurde abgesperrt. Autofahrer wurden aufgefordert, keine Anhalter mitzunehmen. Mehrere Hundertschaften der Polizei waren im Einsatz. Nach Angaben der Stadt wurden vorsorglich Schulen und Kindergärten, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Volkshochschule oder Stadtbücherei geschlossen.
Das Bildungszentrum in Winnenden, in dem sich auch die Albertville-Realschule befindet, besuchen insgesamt 1700 Schüler. Dazu gehören alle Schulformen von Grundschule bis Gymnasium. Die Realschule zählt 600 Schüler.
Der Amokläufer Tim K. im Jahr 2004
Onaylayan: Atbeuropa ~ Mar 11, 2009 ( Bu Haber: 1390 kez Okundu )